the horizon is my home

Peru

Dem Himmel so nah

Wie immer war ich Wochen vorher schon total aufgeregt und machte mir viele Gedanken um die Höhe, was mich leichten Sportmuffel sogar dazu brachte zweimal die Woche eine Stunde joggen zu gehen. Wie wird das wohl sein, bekommt man genügend Luft? So viele Dinge, die in meinem Kopf herumhüpften. Naja, ich wollte das Land, die Kultur, die Menschen und vor allem die vielen bunten Farben auf den Märkten kennenlernen. Das war auch der Grund, weshalb mich dieses Land so faszinierte.

Über Madrid ging es Anfang September nach Lima. Dort angekommen gab es, wie fast auf jeder Reise, erstmal eine Stadtführung gegen den Jetlag. Als erstes ging es zu alten Ausgrabungsstätten und zum Kloster San Franzisco, wobei mich besonders die Katakomben faszinierten. Hunderttausende Schädel und Knochen lagen dort sortiert in Gräbern oder Gruften. Zum Mittagessen gab es ein leckeres Buffet mit typisch peruanischen Speisen und den ersten Kontakt mit Pisco sour, das Nationalgetränk der Peruaner und unser inneres Desinfektionsmittel. Dank unserer super lieben Reiseleiterin wanderte eine Flasche davon jeden Tag durch den Bus, um gegen sämtliche Bakterien vorzubeugen.

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Mittags ging es an die Klippen. Wir beobachteten die Surfer, die sich in die kalten Fluten stürzten. Für mich persönlich ein besonderes Ereignis, da ich ein großer Fan der Bücher Sergio Bambarens bin und dieser in Lima lebt und viel davon erzählt. Abends ging es früh ins Bett da wir am nächsten Tag um 5:00 Uhr los wollten.

Sehr verschlafen ging es auf der Panamericana in Richtung Süden zur Paracas-Halbinsel. Eine wunderschöne Strecke entlang dem Pacific, an der es an diesem Morgen noch etwas neblig war, wodurch ein besonderer mystischer Eindruck entstand. Warm angezogen ging es von dort aus mit einem Schnellboot zu den Isla Bellestas. Auf den kleinen Inseln tummelten sich unzählige Kormorane, Blaufußtölpel, Humboldt-Pinguine, Robben und Seelöwen. Auf dem Rückweg hatten wir das Glück Delfine zu sehen. IMG_6035Zurück an Land gab es zu Mittag eine leckere Fischplatte und natürlich durfte Pisco sour nicht fehlen. Weiter ging es nach Ica zur Huacachina-Oase mitten in der Wüste. An diesem Abend schauten wir uns den Sonnenuntergang von der Spitze einer Düne an, was wirklich atemberauend war.

Immer entlang der Panamericana ging es vorbei an den Nazca-Linien in den Süden. Das Rätsel über die Nazca-Linien ist bis heute nicht komplett geklärt. Weltweit bekannt wurden sie durch die deutsche Maria Reiche, die es zu ihrem Lebenswerk machte, diese Scharrbilder zu erforschen. Von einem Aussichtsturm aus konnten wir einige wenige Bilder erkennen. Leider war es uns nicht möglich darüber zu fliegen, da die Fluggesellschaft als nicht sehr sicher galt. Weiter am Pazific entlang kamen wir zu einem kleinen Strandhotel. Bis spät in die Nacht saßen wir am Strand und lauschten den Wellen.

Etwas angespannt starteten wir in den nächsten Tag. Heute ging es in Richtung Arequipa, 2500 m über dem Meeresspiegel. Doch zunächst gingen wir durch kleine Dörfer, die nur sehr selten Touristen zu Gesicht bekommen. Als wir nach dem Mittagessen durch die Gassen bummelten, war nicht die Stadt die Attraktion, sondern wir selbst. Als wir sogar den Verkehr an einer Kreuzung etwas lahmlegten, beschlossen wir unseren Rückzug. Spät nachmittags erreichten wir Arequipa, eine wunderschöne Stadt mit einem besonderen Flair. Auf dem Marktplatz versammelten sich die Einheimischen zum plauschen und dazu hunderttausende Tauben die sich an dem mitgebrachten Futter erfreuten.IMG_6495

Für den nächsten Tag stand das Museum über die berühmte Mumie des Inkamädchens Juanita auf dem Programm. Sie war ein Menschenopfer der Inkas und wurde in 5000 m Höhe in der Nähe des Ampato-Gipfels gefunden. Ihre Geschichte ist sehr interessant und regte uns zum Nachdenken an. Wir spazierten über einen tollen Markt, auf dem wir uns mit Coca Blätter und etwas Pflanzenasche eindeckten. In Peru gibt es von Tee bis Kaugummi alles mit Coca. Am Abend aßen wir in einem sehr schönen Restaurant ein leckeres Alpaka Steak und tranken anschließend bei hervorragender Live-Musik köstlichen Mojito. Obwohl das Tanzen auf dieser Höhe etwas anstrengte war es ein wirklich schöner Abend, was wohl auch daran lag, dass ein sehr gut aussehender Saxophonist in der Band spielte.

Coca Blätter kauend saßen wir am nächsten Tag im Bus und überwanden Höhenmeter für Höhenmeter. Auf dem Weg über den Patapampa Pass Richtung Colca Canyon kamen wir an unzähligen Lama und Alpakaherden vorbei, aber auch an vielen Kreuzen oder Wracks am Wegesrand. Wenn jetzt jemand denkt, der komplette Bus stünde unter Drogen, den muss ich leider enttäuschen. Die Blätter wirken Blutverdünnend und erleichtern die Aufnahme von Sauerstoff im Blut. Auf 4900 m erreichten wir schließlich die höchste Stelle unsere Reise. Etwas wackelig auf den Beinen stiegen wir aus dem Bus. IMG_6674Die wunderschöne Aussicht auf fünf Vulkane machte das alles aber wieder gut. Wenn man sich langsam bewegte spürte man von der Höhe so gut wie nichts. Noch nie im Leben war ich dem Himmel so nah. Es war unbeschreiblich. Nachmittags erreichten wir Chivay. Wir fuhren mit Motortaxis zu heißen Quellen und erholten uns von der langen Bustour. Das Lustige ist, wenn man etwas im Zimmer liegen ließ, lief man nicht mal eben schnell ins Zimmer zurück. Nach nur ein paar Metern senkt man seine Geschwindigkeit freiwillig, da man total außer Atem ist. Immer schön langsam und gemütlich hieß die Lösung. Das nächste etwas gewöhnungsbedürftige war, dass man Abends im Bett liegt und viel mehr Luft holt, als man es eigentlich gewohnt ist. Das macht das Einschlafen nicht wirklich einfach. In jedem Hotel standen zum Glück zu jeder Uhrzeit Sauerstoffflaschen für uns bereit. Ein Highlight in den Betten waren die Heizdecken, wodurch das ganze sehr gemütlich wurde.

Voller Erwartungen ging es ziemlich früh am Morgen in Richtung Colca Canyon. Durch eine wunderschöne Landschaft mit angelegten Terrassen fuhren wir zum Aussichtspunkt Cruz del Condor. Würden sich die Condore an diesem Morgen zeigen? Voller Aufregung warteten wir als sich plötzlich die ersten atemberaubenden Vögel hinauf in die Lüfte begaben. Von Minute zu Minute wurden es mehr. Es war wunderschön diesem Schauspiel zusehen zu dürfen. In solchen Momenten wird einem wieder bewusst wie schön unsere Erde ist. Nach einer kleinen Wanderung am Canyon entlang ging es mit dem Bus über den Pass zurück nach Puno an den Titicaccasee. Während sich die Anderen am nächsten Tag auf den Weg in Richtung See machten blieb ich im Bett, da es mich erwischt hatte. Habe wohl etwas nicht zum Verzehr geeignetes erwischt gehabt. Glücklicherweise blieb es dank Antibiotika bei einem Tag und am folgenden Tag konnte ich mit der Gruppe zusammen die Reise ins heilige Tal fortsetzen. Für die nächsten zwei Nächte waren wir in einem wunderschönen Hotel untergebracht. Mein Reisestecker hatte zwar kurzfristig nach einem Funkenschlag das ganze Zimmer lahm gelegt, aber das war schnell behoben. Den Abend ließen wir am offenem Kamin im Hotel ausklingen.

Den Tag begannen wir mit einem Schamanen und einem Ritual, um Muttererde für all ihre Schönheit und Kostbarkeiten zu danken. Zum Mittagessen gab es diesmal viele verschieden Kartoffeln, die wir selber in einem Steinofen in der Erde gegart hatten. Zusammen mit leckerer Guacamole war dies ein sehr schmackhaftes Mahl, und da Peru eines der Länder mit den meisten Kartoffelsorten ist, kamen unsere Geschmacksnerven dabei nicht zu kurz. Später fuhren wir in das Urubambatal, genauer gesagt nach Pisca, um dort eine Wanderung durch verschiedene Tempelanlagen der Inkas zu machen. IMG_7368Am Ende der Wanderung kamen wir zu einem Markt, der alle Herzen höherschlagen ließ. Oder zumindest meines, da ich ein großer Fan der bunten Farben und Handarbeiten bin. Den Abend ließen wir in der Hängematte mit Blick auf einen gewaltigen Sternenhimmel ausklingen.

Nun war er gekommen, der Tag der Tage auf den alle hinfieberten. Ein weiterer persönlicher Traum – Es war Machu Picchu Tag. Mit dem Zug ging es nach Aguas Calientes, der Ausgangsstation für eines der neuen Weltwunder. Ein süßer kleiner Ort, der einem wie eine Art Pilgerstätte vorkommt. Jeder läuft mit einem gewissen Lächeln durch das Dorf, entweder voller Erwartungen oder einfach nur glücklich diesen grandiosen Ort gesehen zu haben. Als wir in der Anlage ankamen war jeder einfach nur überwältigt von dieser Schönheit. Die Gefühle zu beschreiben ist fast unmöglich. Es ist einfach das pure Glück so ein Wunder mit den eigenen Augen gesehen zu haben. Im Nachhinein fühlt es sich alles sehr unwirklich an. Man kann es kaum glauben dies wirklich gesehen zu haben. Unser Guide führte uns durch diese heilige Stätte und erklärte uns alles. Wir können uns glücklich schätzen diese noch betreten zu können, da sie in den nächsten Jahren für Touristen gesperrt und nur noch über Aussichtsplattformen bewundert werden können soll. Da man ja als Touri auch mal wieder auffallen muss, machten wir fleißig Sprungfotos bis wir dezent darauf hingewiesen wurden, dass dies hier aufgrund der Gefahr eines Erdrutsches nicht erlaubt sei. Deshalb sollten wir alle Aufnahmen löschen. Irgendwie sind doch noch ein paar auf dem Speicherstick geblieben. Gegen Nachmittag setzten wir uns gemütlich auf eine Erhöhung und ließen noch einmal alles auf uns wirken. Schweigend saßen wir am Rande und beobachten das Schauspiel, nicht in der Lage dem Ganzen einen Namen zu geben. Irgendwann zwang uns der Regen den Abstieg anzutreten. Gehen wollte keiner und wir würden wohl heute noch dort sitzen. Völlig überwältig ließen wir den Abend in einer Backpacker Kneipe die komplett tapeziert war mit Visitenkarten ausklingen.

Am nächsten Morgen wanderten wir immer an den Bahngleisen entlang zu einem botanischen Garten mit einem süßen kleinen Wasserfall. IMG_7809An einem früheren Opferplatz dankten wir ein weiteres Mal Muttererde. In einem stillen Moment für mich alleine konnte ich hier meine Kerze für meine Lieben anzünden, ein besonderer Platz für besondere Menschen in meinem Herzen. Gegen Nachmittag ging es mit dem Zug nach Cusco.

Den nächsten Tag begangen wir mit einer Führung durch die Ruinen außerhalb der Stadt. Sehr beeindruckend war, dass die Inkas jeden Stein so schliffen das er exakt auf den andern passte. Alle Bauwerke halten ohne Mörtel zusammen. Mittags schauten wir uns noch die Stadt und die Kirche an. In der Kirche hing Das Letzte Abendmahl und wir konnten es alle kaum glauben, aber auf dem Teller in der Mitte des Tisches lag doch tatsächlich ein Meerschweinchen. Unseren letzten Abend begannen wir in einem schicken Restaurant und als Hauptspeise gebackenes Meerschweinchen. Jeder bekam seines an den Platz gebracht mit einer Tomate als Hut zur Deko. Man konnte ein Foto zu Erinnerung machen bevor es wieder in die Küche wanderte und ausgenommen wurde. Nach dem einen oder andern Pisco sour ging es weiter in eine Disco, in der wir uns anstecken ließen es mit Salsa zu probieren. Letzten Endes tanzten wir, dank dem Alkohol im Blut, auf den Tischen. Später erst wurde uns bewusste, dass wir auf über 3400 m Höhe waren und Party machen konnten ohne etwas zu merken. Wir hatten uns alle trotz Bedenken an die Höhe gewöhnt. Mit einem lachenden und weinenden Auge sanken wir in unsere Betten.

Den letzten Tag verbrachten wir mit Souvenirs Shopping bevor wir schlussendlich zum Flughafen fuhren. Über Lima und Madrid ging es zurück in die Heimat, im Gepäck wieder wunderbare Erinnerungen an ein Land das landschaftlich wie auch Kulturell einmalig ist. Wir wurden von den Menschen immer mit einem Lächeln im Gesicht empfangen und trotz der wahnsinnigen Armut hatten sie ein nettes Wort für uns übrig. Wir hatten in den fast drei Wochen viele Blechhütten ohne Toilette und Heizung gesehen. Ein Land, dass einem nie touristisch vorkam, weil nichts gestellt ist und die Menschen noch heute in ihren landestypischen Trachten umherlaufen. Es ist so ein wahnsinnig farbenfrohes Land, für dessen Schönheit es für mich keine Worte gibt.

IMG_6582Wieder einmal war es für mich eine Reise, die mich weitergebracht hat. Man kommt zurück und sieht alles mit ein wenig anderen Augen. Das ist für mich das schönste an den Reisen. Ich konnte mir ein weiteres Mal meine Träume erfüllen und kam dem Himmel so nah wie noch nie.

(06.09.- 22.09.2014)